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Claus Peter Gallenmiller, Schellacksammler, Techniker, Kempten (D)


Die Bedeutung von richtiger Entzerrung bei der Wiedergabe von Schellackschallplatten


Physikalische Grundlagen und Notwendigkeit der Aufnahme- und Wiedergabeentzerrung

Auf einer Schellackplatte werden die Schallinformationen in Form von seitlichen Auslenkungen einer spiralfrmig geschnittenen Schallrille gespeichert. Die Wechselgeschwindigkeit der Abtastnadel am Berhrpunkt in der Rille wird als Schnelle (Einheit cm/s) bezeichnet. Der Zusammenhang zwischen der Schnelle s und der Auslenkung a der Schallrille wird beschrieben durch: s = a * ? , wobei ? = 2p * f.

Die blicherweise verwendeten elektro-mechanischen Wandler (Schneidekopf) setzen eine Spannung U am Eingang in eine dazu proportionale Schnelle s am Schneidestichel um: s = k * U. Dieses Verhalten fhrt dazu, dass die Rillenauslenkung a bei konstantem Eingangspegel von der Frequenz des aufzuzeichnenden Signals abhngt (indirekt proportional, je kleiner die Frequenz, um so grer die Auslenkung: a = k * U / ?.

Tiefe Frequenzen wrden bei konstanter Spannung am Schneidekopf zu hohen Auslenkungen fhren. Da der Abstand zwischen zwei Rillen die maximal zulssige Auslenkung begrenzt, wird beim elektrischen Aufnahmeverfahren durch eine Vorverzerrung, die so genannte Schneidekennlinie, die Spannung am Schneidekopf abhngig von der Frequenz mehr oder weniger stark bedmpft. Das elektrische Signal wird unterhalb einer bestimmten Frequenz (z. B. 250 Hz) so abgeschwcht, da die Auslenkung unabhngig von der Frequenz wird. Die dazu erforderliche Filterung kann durch einen Tiefpass mit 6 dB/Oktave realisiert werden.

Zu hheren Frequenzen hin, wo die Auslenkung immer geringer wird, kann man den entgegengesetzten Weg gehen und ab einer bestimmten Frequenz das Aufnahmesignal mit 6 dB/Oktave anheben, um auch hier eine frequenzunabhngige Auslenkung zu erreichen.

Schneidekennlinien bei der Aufnahme von Schallplatten

Im Laufe der Zeit ist eine Vielzahl von unterschiedlichen Schneidekennlinien definiert worden. Beinahe jede Firma hat unterschiedliche, eigene Kennlinien verwendet. Eine Normung erfolgte erst Anfang der 1950er-Jahre und wurde in den darauffolgenden Jahren Schritt fr Schritt eingefhrt. In der nachstehenden (nicht vollstndigen!) Tabelle sind einige gebruchliche Schneidekennlinien aufgelistet:

Normalrille (78 UpM)
SYSTEM Verwendung Hhenanhebung Tiefenabsenkung Tiefenanhebung
Early DECCA Decca 5800 Hz 150 Hz -
Europa 250 HMV,
Columbia,
Cetra,...
- 250 Hz -
HMV HMV - 250 Hz 50 Hz
Ffrr 1949 Decca 6360 Hz 250 Hz 40 Hz
Columbia N78 Columbia 1590 Hz 300 Hz -
BSI GB 3180 Hz 353 Hz 50 Hz
US MID 30 USA Mitte 30er - 400 Hz 70 Hz
AES USA 1951 2500 Hz 400 Hz -
Europa 500 Europa vor 1950 - 500 Hz -
RIAA (RCA) Norm ab 1953 2120 Hz 500 Hz 50 Hz

Graphische Darstellung einiger Schneidekennlinien

Analoge Entzerrung auf der Wiedergabeseite

Um eine unverzerrte Wiedergabe zu erreichen, mssen beim Abspielen diese Vernderungen im Frequenzgang wieder rckgngig gemacht werden. Am Ausgang des Tonabnehmers entsteht bei magnetischen oder dynamischen Systemen eine Spannung, die wiederum proportional zur Schnelle der aufgezeichneten Rille ist. Wichtig ist dabei, dass die Wiedergabeentzerrung exakt zur Aufnahmeentzerrung passt, da sonst zum Teil betrchtliche Verflschungen des Klangeindrucks entstehen knnen. Ein Abspielen einer Schellackschallplatte aus den 1930er-Jahren (250 Hz) mit einer modernen Entzerrerkennlinie aus den 1950er-Jahren (50Hz, 500 Hz, 2120 Hz) fhrt in jedem Fall zu einer dumpfen und faden Wiedergabe. Dieser Fall tritt immer dann ein, wenn ein moderner Plattenspieler mit Magnetsystem an eine handelsbliche Stereoanlage angeschlossen wird. Bei dieser Kombination tritt eine akustisch stark strende Amplitudenverzerrung von ca. +5 db bei 100 Hz und -5 dB bei 3 kHz auf.

Amplitudenverzerrungen bei Wiedergabe ber einen RIAA-entzerrten Verstrker:

Das ideale Verhalten wre hier eine Horizontale bei 0 dB.

Eine richtige Entzerrung kann nur durch einen speziellen umschaltbaren Entzerrer-Vorverstrker erreicht werden, der zwischen Tonabnehmer und Verstrker eingefgt wird. Leider gibt es auf dem Markt nur sehr wenige kufliche Modelle, die diese Anforderung erfllen. Ein empfehlenswertes Modell ist z. B. der ELBERG MD12, der aber mit ca. 900 auch sehr teuer ist.

Die analoge Entzerrung erfllt alle Bedingungen der Signalverarbeitung in Echtzeit und eignet sich daher besonders fr das direkte Anhren von Schallplatten.

Digitale Entzerrung
Eine Alternative zur analogen Entzerrung stellt die Entzerrung im Digitalbereich dar. Durch programmierbare Filter in allen namhaften Sound-Recording-Programmen lassen sich sehr einfach alle mglichen Entzerrerkurven nachbilden. Es ist sogar mglich, falsch entzerrtes Material, z.B. von einer Tonbandaufnahme, nachtrglich wieder richtig zu entzerren.

Nachteilig ist, dass bei der digitalen Bearbeitung die Aufnahme zuvor digitalisiert werden muss, bevor die Entzerrung, Filterung und Rauschreduktion durchgefhrt werden kann.


Der vorliegende Vortrag wurde am 8. Juli 2003 an der Sommerakademie fr Schellackfreunde und freundinnen an der Universitt Udine Sitz in Gorizia gehalten.


www.vooch.at